Ein Plädoyer für die Liebe
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Ein Plädoyer für die Liebe

Als ich mein Buchcover einer Freundin zeigte, meinte sie: „Schreib auf keinen Fall „Liebesroman“,  das würde ich nie kaufen, schreib besser Roman.“  Das habe ich dann auch getan. Im Nachhinein frage ich mich, wieso eigentlich. Ist es tatsächlich so, dass der Liebesroman sich verstecken muss, irgendwo verkriechen, hinter all den anderen Genres, die da heißen Krimi, Fantasie, Thriller,… Gehören die zu einer höheren Kaste? Ist der Liebesroman als Einziger nicht eingeladen auf die Party der schönen Künste, darf sich nicht unter all die anderen Schwergewichter gesellen und seinen Spaß haben?

Anscheinend schon, denn eine ähnliche Reaktion, wie die meiner Freundin habe ich, im Zusammenhang mit dem Genre Liebesroman, öfter erlebt. Es fielen Worte wie Kitsch, Herzschmerz und es wurde geschmunzelt über das vermeintliche happy end.

Anscheinend gehört Liebesroman in die gleiche Kategorie wie „verarbeitete Lebensmittel“ oder „Zucker“ oder „Filme von Till Schweiger“. Dinge, die wir alle konsumieren, aber  eher heimlich. Keiner will sich die Blöße geben und als uncool gelten, weil er Liebesromane liest. Vielleicht sollte ich mal versuchen, Kate Moss zu animieren, sich mit einem Liebesroman unterm Arm ablichten zu lassen. Und wenn dieses Bild es in die Yellow Press schafft, haben Liebesromane gewonnen. Jeder würde seine angestaubten Schmöker mit Herz aus der hintersten Ecke des Regals hervorholen, sie säubern und ganz vorne platzieren. Manche würden sie demonstrativ auf den Küchentisch legen, ins Gäste-WC, in ihre Handtasche oder auf den Beifahrersitz. Handtaschen in Buchform wären der neueste Trend, in knalligen Farben, mit großen bunten Herzen vorne drauf. Und jeder, der keine Lieberomane liest, wäre unten durch.

Es gibt so wundervolle Liebesromane und Liebesfilme. „Zwei an einem Tag“ zum Beispiel, von David Nicolls. Auch eine Seltenheit, dass der Film  genauso gut ist wie das Buch. Oder „Her“, der berührendste aller Liebesfilme und das nur und vor allem dank der schauspielerischen Leistung Joaquin Phoenix, der sämtliche Gefühle transportiert, die man sich vorstellen kann. Weil, die Story an sich ist ja völlig aus der Luft gegriffen. Ein Mann, der sich in ein Betriebssystem verliebt. Pfff! Auch mag ich deutsche Liebeskomödien wie „Männerherzen“ oder amerikanische wie „Was das Herz begehrt“ mit Diane Keaton und Jack Nickolson.

Nicht zu vergessen solch wundervolle Autorinnen wie Jojo Mojes,  Ildiko von Kürthy und Kerstin Gier.  Oder der Roman „Liebesleben“ von Zeruya Shalev. Der hat eine Wucht, unglaublich! Oder „Sich lieben“ von Jean-Philippe Toussaint. „Lieben sich zwei“, klingt so ähnlich, ist aber von Stefan Moster und spielt in Hamburg. Vor einigen Jahren gelesen, habe ich die Stimmung, die dieses Buch vermittelt, bis heute verinnerlicht. Hat es bei den zuletzt genannten Romanen überhaupt happy endings gegeben, frage ich mich gerade. Oder ist das so ein Frauending und männliche Autoren scheren sich nicht darum, ob am Ende alle glücklich sind, nicht zuletzt die Leser?

Gibt es eine stillschweigende Regel, die besagt, dass es bei anspruchsvoller Literatur kein happy end geben darf, auch wenn alle sich das wünschen? Oder nennt man Liebesromane, die kein happy end haben dann eher Gegenwartsliteratur, oder ist es ein Drama? Das ist es zweifellos.

Ist die Liebe nicht das, worum sich alles dreht? Die Essenz, der Grund, weshalb wir morgens aufstehen,  uns hübsch machen, die Haare kämmen, uns anstrengen? Weil wir süchtig sind, nach Liebe und Zuneigung und Anerkennung? Suchen wir ihn nicht alle, den einen oder die eine, die uns bedingungslos liebt? So, wie wir sind. Ist ohne Liebe nicht alles sinnlos? Finde ich schon.

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