Alltägliches aus Mexiko

Bienvenidos a Mexiko!

Hola, Mexiko, da wären wir. Puuhh. Da es so viele neue Eindrücke zu verarbeiten gilt, muss ich kurz innehalten, um zu überlegen, was Euch am meisten interessieren könnte. Vielleicht, wie es ist, in einem fernen Land wie Mexiko anzukommen, und zwar nicht als Urlauber, mit Reiseführer, schickem Hotel mit englischsprachigem Personal und täglicher Zimmerreinigung, sondern mitten hinein geworfen zu werden in den Alltag. Wir haben das Glück, dass mein Mann als Expat hierher versandt und durch die Firma schon Vieles geregelt wurde. Im Mai waren wir auch schon eine Woche hier und haben das Haus ausgesucht (damals mitten im Bau) und eine wunderschöne Montessori-Schule für unsere beiden Goldstücke.

Mein Mann hat zum 1.8 hier angefangen zu arbeiten, ich bin mit den Kindern in Deutschland geblieben, habe Familie und Freunde besucht, um dann am 15.8 hinterher zu fliegen. Als wir, an einem sonnendurchfluteten Sonntagmorgen in Leon gelandet sind, hatte mein Mann einen Kühlschrank besorgt und die Firma hatte uns Betten , einen Tisch und acht Stühle ins Haus gestellt, damit wir unsere neue Bleibe beziehen konnten und nicht solange im Hotel verweilen mussten, bis der Seecontainer mit all unserem Hab und Gut gemächlich hierher geschippert war und endlich seinen Weg zu uns fand. Zum Glück war das neu erbaute Haus soweit bezugsfertig, was hier sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Hier werden Verabredungen nicht so ernst genommen und selbst in der Yogastunde (Artikel folgt) schneien die Teilnehmerinnen herein, wann es ihnen passt. Und da das hier normal ist, scheint es auch ok zu sein.

In der Schule meiner Kinder wird nun versucht, die Mexikaner zur Pünktlichkeit zu erziehen: Es wurde schriftlich und offiziell angekündigt, dass die Pforte der Schule um acht Uhr schließt, wer zu spät kommt, hat Pech gehabt. Durchgezogen wird das letztlich nicht, denn wenn ich zehn vor acht meine Kinder ablade, habe ich das unbedingte Gefühl, eine der ersten zu sein, da die Autoschlange noch sehr kurz ist. Hier wird jedes Kind einzeln aus dem Auto der Eltern an der Tür in Empfang genommen und beim Abholen ist es genauso: Ich reihe mich in die Autoschlange vor der Schule ein, eine Lehrerin mit Mikro in der Hand kommt ans Fenster, fragt nach den Namen der Kinder. Sie werden ausgerufen und wenn ich direkt vor der Pforte stehe, ins Auto gesetzt. Sicherheit ist dafür wohl der Hauptaspekt, hinzukommt, dass alle mit dem Auto unterwegs sind. Die Kinder alleine mit dem Roller oder Rad zu schicken, wie in Deutschland, wäre hier nicht möglich. Dafür ist der Straßenverkehr einfach zu chaotisch, Regeln gibt es wenige, man fährt einfach los und hofft, dass die anderen warten.

Ich sehe ganze Familien, die – ohne Helm versteht sich – auf einem einzigen Moped unterwegs sind. Ob des immensen Gefälles zwischen arm (wirklich arm) und reich (für deutsche Verhältnisse nicht wirklich reich), das hier herrscht, werden sie froh sein, dieses eine Moped zu haben, um irgendwie mobil zu sein. Großväter manövrieren ihre Enkelinnen, adrett zurecht gemacht in Schuluniform, auf dem klapprigen Drahtesel zum Unterricht der staatlichen Schulen. Eine akrobatische Meisterleistung, wenn man die Beschaffenheit der Straßen betrachtet.

In Mexiko verspricht Auto fahren noch echtes Abenteuer, da die teils nicht geteerten Straßen Schlaglöcher, Dellen und riesige Hubbel (Bremsschwellen) vorweisen, die nur in den wenigsten Fällen ausgeschildert sind. „Augen auf im Straßenverkehr“ ist hier nicht nur so dahin gesagt, sondern hat oberste Priorität, das verinnerlicht man spätestens nachdem man einen Hubbel übersehen und mit zu hoher Geschwindigkeit darüber gekracht ist. In Mexiko macht ein SUV mal wirklich Sinn. Äußerst beliebt unter Mexikaner sind außerdem Pickups, weil sie einfach wahnsinnig praktisch sind und auf der Ladefläche die ganze Großfamilie ihren Platz findet, inklusive Großvater, Großmutter und sämtliche Enkel. Der Oma wird sogar ein Campingstuhl bereitgestellt. Wie sie damit auf dem wackeligen Ladeplatz die Balance hält, ist mir schleierhaft, aber irgendwie scheint das zu funktionieren. Improvisation ist alles in Mexiko!

Hasta pronto, Eure Lina

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