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Fragen an die Autorin

Fragen an und Antworten von Lina Zimmer.

Wie kamst Du zum Schreiben?

Der Beginn meiner Karriere als Autorin waren diese kleinen verbotenen Zettel, die wir uns in der Schule, während des Unterrichts,  geschrieben und, über mehrere Stuhlreihen hinweg, heimlich hin- und hergereicht haben. Das hat so wahnsinnig viel Spaß gemacht und weil auf diesen Zetteln nie viel Platz war, musste ich erfinderisch sein, um in wenigen Worten das auszudrücken, was ich der jeweiligen Freundin mitteilen wollte. Einmal bekam ich Post von einem Jungen, der zwei Reihen vor mir saß. Darin stand: „Willst Du mit mir gehen?“ Daneben zwei Felder zum Ankreuzen. Ja und Nein. Ich entschied mich für ja, doch in der Pause waren wir dann zu schüchtern, um uns überhaupt anzusehen und wenn, dann nur von ganz Weitem, tuschelnd und kichernd, im Pulk meiner Freundinnen.

Mein erstes Hörspiel schrieb ich mit zwölf. Eine Liebesgeschichte in mehreren Teilen, die ich, zusammen mit meiner besten Freundin Stefanie, entwickelt und vertont habe. Sie spielt auf einem großen Dampfschiff, und das lange bevor „Titanic“ in die Kinos kam. Ich erinnere mich noch, wie wir mit einer halbvollen Wasserflasche die Wellengeräusche imitiert haben. Wir hatten riesigen Spaß dabei, irgendwo muss es die Kassette noch geben.

Mit sechzehn hatte ich meinen ersten Freund. Wir haben uns regelmäßig Liebesbriefe geschrieben, die wir uns persönlich überreicht haben. Darin kamen Worte vor, sowie kleine, selbstgemalte Bilder, Icons, Herzen und Blumen und lustige Figuren. Gelesen hat jeder, wenn der andere wieder weg war – die Vorfreude darauf war riesengroß. Nicht darauf, dass der andere wieder geht, sondern auf den Brief ;). Nachträglich würde ich behaupten, dass diese Briefe das Fundament unserer Beziehung waren. Das, was wir uns mit Worten nicht zu sagen trauten, sagten wir uns auf dem Papier. Zum Beispiel „Ich liebe Dich“.

Warum hat es dann so lange gedauert, bis Du Dein erstes Buch veröffentlicht hast?

Weil ich zwischendurch andere Dinge getan habe. Studiert, im Ausland gelebt und jahrelang in der Werbung gearbeitet. Während meiner Elternzeit, hatte ich dann, sobald die Kinder mittags schliefen, das dringende Bedürfnis etwas für mich zu tun, für meinen Kopf. Etwas, das nichts zu tun hat mit Windeln wechseln oder Schnuller suchen. So habe ich wieder angefangen zu schreiben. Das Schreiben hat mich über so manch trostlosen Tag hinweg gerettet, sich zu einer Art Sucht ausgewachsen. Die Muse hat mich geküsst, mich an die Hand genommen und zurück zu meinen Ursprüngen geführt. Danke, liebe Muse.

Wie kamst Du auf die Idee zu „Suse, liebe Suse“?

Suse ist durch eine Szene geboren, die ich plötzlich im Kopf hatte. Nachdem ich diese Szene in ungefähr zehn Seiten runtergeschrieben hatte, wusste ich, wie Suse tickt, was für ein Mensch sie ist. Ich kannte mal eine, in der Schulzeit war das. Ich habe nie mit ihr gesprochen, sie war ein paar Jahre älter als ich, ich habe sie öfter im Jugendzentrum gesehen. Sie hatte diesen langsamen, leicht schlurfenden Gang, mit nach vorne gebeugtem Oberkörper. Das sah aus, als würde sie tanzen (so hat man in den Achtzigern getanzt), dazu diesen verträumt-abwesenden Blick. Die schulterlangen Haare hingen immer irgendwie im Gesicht herum. Ich habe mir immer vorgestellt, dass sie genau so ist, wie meine Suse aus dem Roman.

Suses Wesen ist eine Mischung aus verträumter Sinnlichkeit und Verpeiltheit, gepaart mit diesem unschlagbar ironischen Humor. Sie hat ein gutes Herz, eine treue Seele und stolpert sich durchs Leben. Sie ist ein Jetzt-Mensch, lebt für den Augenblick. Ich habe mich sofort verliebt in sie. Und ich wusste von Anfang an, dass sie Suse heißt. Die Person aus dem Jugendzentrum hieß auch Suse und ich finde es erstaunlich, dass gerade sie mich zu meiner Suse inspiriert hat, da ich nie wirklich etwas mit ihr zu tun hatte.

So jemanden wie meine Romanfigur Suse zu finden, ist ein Glücksmoment, wie man ihn selten hat im Leben. Das ist fast so schwer, wie den richtigen Partner zu finden, oder noch schwerer.

Welche Szene im Buch war das, in der Du Suse entdeckt hast?

Darin spielt sich nichts Spektakuläres ab, es handelt über ihre Mutter. Darüber, wie sie sich kleidet und warum Suse es sich nie vorstellen könnte, Klamotten von ihr zu tragen, wie es eine ihrer Freundinnen tut. Besagte Freundin nimmt, wenn sie ein paar Tage zu ihren Eltern fährt, nichts zum Anziehen mit, da ihre Mutter den gleichen Geschmack (und die identische Kleidergröße) hat wie sie selbst. Das hat mir mal jemand erzählt und ich fand das derart absurd, dass ich sofort wusste, dass Suse das genaue Gegenteil von dieser Person ist.

Lustigerweise hat es diese Szene nicht ins Buch geschafft, was aber auch egal ist. Das war Suses Geburtsstunde, so wurde sie zum Leben erweckt. Das Wichtigste ist, dass Suse lebt und sie die Geburt gut überstanden hat. Scherz beiseite: Vielleicht passt die Szene ja ins zweite Buch.

Wird es einen zweiten Suse Roman geben?

Könnte ich mir gut vorstellen.